Jahrestagungen –Treffpunkt für Forschung, Austauschund Zusammenarbeit

Vergangene Tagungen

GeoMin Köln – 2022

Nach zwei Jahren mit Online-Konferenzen und Hybridveranstaltungen, bei denen wir die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen vor unseren Bildschirmen, in virtuellen Räumen und in Breakout-Sessions verfolgt haben, war es endlich wieder an der Zeit, die Jahrestagung der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) zu feiern.

Die GeoMinKöln wurde als gemeinsame Tagung der DMG und der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischer Verein (DGGV) organisiert. Sie fand vom 11. bis 15. September an der Universität zu Köln statt und markierte das 100-jährige Jubiläum der DMG-Jahrestagung. Mit der Wahl Kölns als Veranstaltungsort kehrte die Veranstaltung an den Ort zurück, an dem 1908 die erste DMG-Jahrestagung stattfand.

Die Konferenz begann am Sonntag mit einem öffentlichen Programm, bei dem Jung und Alt die Geowissenschaften und die Mineralogie interaktiv erkunden konnten. In spannenden Vorträgen, bei Workshops, bei Laborführungen und an zahlreichen Ausstellungsständen konnten die Besucher beispielsweise erfahren, wie es ist, in der Nähe eines Vulkans zu leben, welche Rohstoffe in Smartphones enthalten sind oder wie Kristalle wachsen. Die große Besucherzahl sprach für sich und verdeutlichte die allgemein große Begeisterung für die Geowissenschaften sowie die gesellschaftliche Bedeutung solcher Veranstaltungen.

Nach einem angenehmen Kennenlernabend am Sonntagabend begann die Tagung am Montag mit den ersten wissenschaftlichen Sitzungen und der Eröffnungsfeier. Die wissenschaftliche Gemeinschaft wurde mit unterhaltsamen und spannenden Geschichten über die 100-jährige Tradition der DMG-Jahrestagung begrüßt. Auch der erste Plenarvortrag der Tagung, gehalten von Prof. Konhauser von der University of Alberta (Kanada), blickte weit in die Vergangenheit zurück – nämlich in die Zeit, als Cyanobakterien die Atmosphäre unserer Erde maßgeblich veränderten.

Die Geowissenschaften müssen jedoch auch nach vorne blicken und Veränderungen in der Zukunft einkalkulieren. Der Bericht der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit dem Titel „Erdsystemwissenschaften – Forschung für die Erde im Wandel“ machte dies sehr deutlich. Der Präsident der Leopoldina, Prof. Gerald H. Haug, betonte, wie unverzichtbar die Erdsystemwissenschaften für die Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen sind. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind jedoch neue, nachhaltige Strukturen und Veränderungen notwendig.

Dies erfordert vor allem interdisziplinären Austausch, der während der Tagung in verschiedenen zusätzlichen Formaten gefördert und initiiert wurde. Die DVGeo organisierte eine Bürgerversammlung, bei der offen über eine stärkere Vertretung der Geowissenschaften in Politik und Gesellschaft diskutiert wurde. Am Abend brachte das von der DMG moderierte generationsübergreifende Gespräch Wissenschaftler verschiedener Generationen zusammen und lieferte wertvolle Einblicke in die Entwicklung des Fachgebiets in den vergangenen Jahrzehnten. Auch anstehende Veränderungen, wie die mögliche Zusammenführung der einzelnen geowissenschaftlichen Gesellschaften zu einer Dachgesellschaft, wurden vorgestellt und konstruktiv diskutiert.

Wie jedes Jahr verlieh die DMG verschiedene Preise und Auszeichnungen. Zur Freude der Preisträger und Konferenzteilnehmer wurden diese von den beiden Vorsitzenden der DMG und der DGGV, Prof. Friedhelm von Blanckenburg und Prof. Martin Meschede, musikalisch angekündigt. Prof. Hartmut Schneider erhielt die Georg-Agricola-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der angewandten Mineralogie. Die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille (Silber) wurde an Prof. Hans Keppler verliehen. Catharina Heckel erhielt den diesjährigen Beate-Mocek-Preis, und Dominik Mock sowie Johannes Pohlner wurden als Preisträger des letztjährigen Paul-Ramdohr-Preises geehrt. Darüber hinaus verlieh die DMG die erste Doris-Schachner-Medaille an Dr. Kerstin Lehnert. Diese Medaille ersetzt die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille (Gold), die an Andreas Nägele verliehen wurde. Dr. Sarah Incel wurde mit dem Victor-Moritz-Goldschmidt-Preis für das Jahr 2022 geehrt.

Das wissenschaftliche Programm der Tagung bot zahlreiche Höhepunkte. Die spannenden Vorträge und Postersitzungen reichten vom tiefen Erdmantel bis zur Archäometrie antiker Tempel und darüber hinaus. Der Plenarvortrag von Prof. Cyril Chelle Michou zeigte eindrucksvoll, wie sich die Größe von Mineralvorkommen durch den Einsatz verschiedener geochemischer Werkzeuge besser verstehen lässt. Der Plenarvortrag von Prof. Carina Horn zeigte, wie sich die Andenhebung auf die Artenentwicklung im Amazonas-Einzugsgebiet auswirkte. Da die vorangegangenen Tagungen verschoben werden mussten, umfasste die diesjährige Konferenz zudem zwei Goldschmidt-Vorträge. Der Preisträger des Jahres 2020, Dr. Mathias Burisch-Hassel, stellte dar, inwiefern kritische Mineralressourcen mit dem Entstehen und dem Zerfall des Superkontinents Pangäa zusammenhängen. Der Vortrag von Dr. Daniel Herwartz, Preisträger des Victor-Moritz-Goldschmidt-Preises 2021, hob die Bedeutung der neuen Dreifach-Sauerstoffisotopen-Systematik für Untersuchungen des Wasserkreislaufs und chemischer Sedimente hervor.

Wie immer gab es während der Kaffeepausen, an den Ausstellerständen und bei den Postersessions – mit einem regionalen „Kölsch“ in der Hand – viele lebhafte Diskussionen. Das Rahmenprogramm ließ reichlich Zeit für den nach einer so langen Pause notwendigen Austausch. Das Konferenzdinner im „Quater 1“ in der Kölner Innenstadt bot den Teilnehmern erneut die Gelegenheit, zusammenzukommen und eine erfolgreiche Tagung zu feiern. Im nächsten Jahr findet die Jahrestagung der DMG gemeinsam mit der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft (ÖMG) und der Slovenská mineralogická spoločnosť (SMS) in Wien, Österreich, statt.

 

Marie Gentzmann