Doris-Schachner-Medaille –für große Verdienste um die Förderungder Mineralogischen Wissenschaft

Medaillenträgerinnen und Medaillenträger

2023 – Roland Stalder

Von Hochdruckexperimenten zur Mantelpetrologie bis zum mineralogischen Lehrkoffer: Doris-Schachner-Medaille für Prof. Roland Stalder in Würdigung seiner Verdienste um Wissenschaft und Nachwuchsförderung.

Die DMG verleiht die Doris-Schachner-Medaille an Roland Stalder für seine großen Verdienste um die Förderung der Mineralogie, wofür er sich seit weit mehr als 20 Jahren unermüdlich einsetzt. Er ist in der Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv mit einem besonderen Fokus auf Schulen. Mit immer wieder innovativen Ideen eröffnet er Schülerinnen und Schülern bereits an der Basis den Zugang zu naturwissenschaftlichen und mineralogischen Themen.

Roland Stalder studierte von 1989 bis 1994 Mineralogie in Göttingen – von 1992 bis 1994 gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes – und beendete das Studium mit einer Diplomarbeit, in der er experimentelle Untersuchungen zum Thema „Nichtstöchiometrische Spinelle“ durchführte. Für die Dissertation wechselte Roland Stalder an das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz (1994–1996) und an das Institut für Mineralogie der Goethe-Universität Frankfurt (1996–1997), wo er die von S. Foley und G. Brey betreute Dissertation „Experimentelle Spurenelementverteilung zwischen festen und fluiden Phasen unter Bedingungen des Oberen Erdmantels“ verfasste. Dieses Forschungsthema vertiefte er in seinem weiteren wissenschaftlichen Werdegang, indem er sich vor allem mit dem Einbau von Wasser und Chlor in nominell wasserfreie Minerale des Oberen Erdmantels und deren Auswirkung auf die physikalischen Eigenschaften beschäftigte. Nach seiner Promotion trat Roland Stalder Post-Doc-Stellen am Institut für Mineralogie und Petrographie der ETH Zürich (1997–2000) und an der mineralogischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Stockholm (2001–2002) an und verbrachte anschließend sechs Jahre als Juniorprofessor für Experimentelle Petrologie an der Fakultät für Geowissenschaften in Göttingen.

Im Jahr 2008 wurde Roland Stalder auf den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrologie an der Universität Innsbruck berufen, den er bis heute innehat. Roland Stalder ist Associate Editor des „European Journal of Mineralogy“ und des „American Mineralogist“ sowie Gutachter weiterer internationaler Fachzeitschriften, darunter „Contributions to Mineralogy and Petrology“, „Geochimica and Cosmochimica Acta“ und „Earth and Planetary Science Letters“. Er ist Mitglied verschiedener mineralogischer, geochemischer und geophysikalischer Gesellschaften. Wann genau er den Grundstein für seine zahlreichen Aktivitäten zur Vermittlung geowissenschaftlicher Inhalte an Kinder und Jugendliche legte, lässt sich nicht exakt nachvollziehen, aber dass er auf dem Gebiet der Öffentlichkeits- und Schülerarbeit so ganz nebenbei, neben seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit, seit langem sehr aktiv war, können viele Kolleginnen und Kollegen bezeugen. Bereits während seiner Zeit als Juniorprofessor in Göttingen entwarf er das Mineral-Quartett „Bausteine der Erde“, das er mit Hilfe von Sponsoren 2005 drucken ließ. Drei Jahre später stellte er die Vorlage für dieses Quartett der DMG zur Verfügung, die das Kartenspiel seit 2008 wegen der hohen Nachfrage bereits dreimal nachdrucken ließ. Als Ergänzung legte die DMG 2011 unter der aktiven Mithilfe von Roland Stalder ein neues DMG-Mineral-Quartett „Erze“ auf. Beide Quartette gehören zu den beliebtesten Merchandise-Produkten der DMG.

Innerhalb der DMG setzte sich Roland Stalder in der 2000/2001 gegründeten „Kommission für Hochschulfragen“ als Sprecher (2008–2018) in seiner zehnjährigen Amtszeit so erfolgreich ein, dass die damalige Kommission während der DMG-Jahrestagung in Rimini (emc2016) in den Rang eines Arbeitskreises erhoben wurde und seitdem den Namen „Arbeitskreis für Schule und Hochschule“ trägt.

Als Sprecher des Arbeitskreises bildete Roland Stalder ein Netzwerk aus über 30 Helfern und Mitstreitern, um gemeinsam das Projekt des Mineralogischen Lehrkoffers (Mileko) auf den Weg zu bringen, eines Lehrkoffers mit spannenden Experimenten und Exponaten. Nur im Team war die selbst gesetzte Aufgabe zu stemmen, Lehrmaterial für die Schule zu entwickeln, um damit auch zukünftige Studierende zu werben und mineralogische Inhalte in die Gesellschaft zu tragen. Damit verbunden waren öffentliche und mediale Auftritte, Durchführungen von Lehrer-Workshops, z. B. auf Einladung des Thü- ringer Bildungsministeriums, oder die Teilnahme an MNU-Kongressen. Für die Umsetzung des Mileko-Projekts warb Roland Stalder Gelder aus der Tutzek-Stiftung ein. Sein legendärer Einsatz für die Mineralogie gipfelte in der 1. Mileko-Werkstatt im Jahr 2018.

Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft ehrt mit der Verleihung der Doris-Schachner-Medaille Roland Stalder als eine Person, die sich unermüdlich und erfolgreich um die Sichtbarmachung der mineralogischen Wissenschaft verdient gemacht hat.

— Heidi Höfer ∙ Frankfurt/Main