Liebe Mineraloginnen und Mineralogen,
wann hat man schon das Vergnügen, mit einem Deutschen Meister im Basketball Zeit zu verbringen? Diese Woche durfte ich mich mit diesem Sportler über verschiedene Themen unterhalten, z. B. über die Teilnahme und seinen Erfolg bei der Ü50-Weltmeisterschaft. Besonders war für mich die Diskussion über die zwei Begrenzungen der Toleranz. Ich selber hatte schon viel über die obere Grenze der Toleranz nachgedacht, oder um es mit Karl Popper zu formulieren „Im Namen der Toleranz muss man intolerant gegenüber der Intoleranz sein“. Es gibt eben eine Grenze, bei der wir auch als Wissenschaftler intolerant sein müssen – wenn es um die (Aberkennung der) Würde des Einzelnen geht. Über die untere Grenze hatte ich noch nicht nachgedacht. Oft wird heute der Begriff der Toleranz für Selbstverständlichkeiten gebraucht. Bei Selbstverständlichkeiten müssen wir nicht tolerant sein und es auch nicht so nennen, da ist ja nichts, was mich belastet. Dass wir freiheitlich in diversen Lebenskonzepten leben dürfen – dafür bedarf es keiner Toleranz, denn das ist eine Selbstverständlichkeit – und Grundvoraussetzung für moderne Wissenschaft. Wenn Ihr auch mal mit diesem besonderen Sportler diskutieren wollt, dann seid Ihr in der Mineralogie genau richtig – es ist immer ein Gewinn, mit Horst Marschall zu diskutieren! Ob es um die Zukunftsfragen der Menschheit geht, ob um Fragen der Nutzung unseres Untergrundes, ob als Speicher (CO2, Wasserstoff oder Wärme) oder beim Schutz des Trinkwassers – es ist gut, dass ich im Vorstand der DMG mit großartigen Menschen solche Diskussionen führen kann. Auch wenn wir bei der Bewertung verschiedener Technologien unterschiedlicher Meinung sein können, eine faktenbasierte wertschätzende Diskussion ist ein Gewinn und hilft mir, Dinge besser einordnen zu können.
Dabei sollten wir als Wissenschaftler*innen immer auf der Basis der Fakten argumentieren, im Bewusstsein der Begrenztheit unseres Wissens.
Euer/Ihr
Frank Schilling

