Frankfurt EMC – 2012

Anfang September 2012 trafen sich mehr als 800 Mineraloginnen und Mineralogen an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt zur ersten Europäischen Mineralogischen Konferenz.

 

Anfang September 2012 trafen sich mehr als 800 Mineraloginnen und Mineralogen an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt zur ersten Europäischen Mineralogischen Konferenz. Um es vorweg zu sagen – die Tagung war großartig! Die Anzahl der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer, der Veranstaltungsort, die durchweg hohe Qualität der Beiträge, die Zusammenarbeit der ausrichtenden europäischen Gesellschaften, die perfekte Organisation und die überwältigende Gastfreundschaft der deutschen Gastgeber – all dies gibt Anlass zu der Hoffnung, dass dieser gemeinsamen europäischen Tagung noch weitere folgen werden, die ebenso erfolgreich verlaufen.

Über 800 Mineraloginnen und Mineralogen haben an der emc2012 teilgenommen. Foto: Salar Baygan

 

Insgesamt 33 wissenschaftliche Sitzungen wurden unter folgenden übergeordneten Themenschwerpunkten veranstaltet: Mantle petrology and geochemistry, Magmatism and volcanology, Metamorphism, Applied mineralogy, Mineral physics, Mineralogical crystallography, Planetary materials, Mineral deposits and raw materials, Low-T geochemistry, Geochronology, Geobiochemistry, Advanced analytical techniques, und Archaeometry, care and preservation. Hervorzuheben ist insbesondere die Qualität der Beiträge zahlreicher Doktorandinnen und Doktoranden, sowohl in Vorträgen als auch in Posterpräsentationen. Letztere waren immer sehr gut besucht, nicht zuletzt aufgrund der von mehreren Sponsoren aus der Industrie bereit gestellten Getränke. Viele der Industriesponsoren nutzten die Gelegenheit, einem breiten Fachpublikum die neuesten Entwicklungen im Bereich der Analysetechnik zu demonstrieren – für die großartige Unterstützung sagen wir herzlichen Dank.

In Ergänzung zum wissenschaftlichen Programm wurden im Anschluss an die Tagung zwei Exkursionen in die Eifel und den Odenwald sowie eine Rheintour angeboten.

Die Tagung wurde von einem Konsortium von 10 europäischen mineralogischen Gesellschaften veranstaltet – im Einzelnen waren dies die Deutsche Mineralogische Gesellschaft (DMG), die Mineralogical Society of Great Britain & Ireland (MinSoc), die Mineralogical Society of Finland (MinSocFin), die Österreichische Mineralogische Gesellschaft (ÖMG), die Mineralogical Society of Poland (PTMin), die Russian Mineralogical Society (RMS), die Sociedad Española de Mineralogía (SEM), die Société Française de Minéralogie et de Cristallographie (SFMC), die Società Italiana di Mineralogia e Petrologia (SIMP) sowie die Swiss Society of Mineralogy and Petrology (SSMP). Die meisten dieser Gesellschaften führten ihre Jahrestagung im Rahmen der emc2012 durch und verzichteten auf eine eigene Veranstaltung in ihren jeweiligen Ländern. Die einzelnen wissenschaftlichen Sitzungen wurden von internationalen Teams organisiert, um den pan-europäischen Aspekt der Tagung zu unterstreichen.

Zu den Höhepunkten der Konferenz zählten zweifellos der öffentliche Abendvortrag von Thomas Stachel zum Thema “Diamonds are forever – but when and where are they formed?” sowie Plenarvorträge von Hilary Downes über “Mantle and core formation viewed from meteorites”, Rod Ewing über „Roads not taken in nuclear waste disposal“ und Tim Elliot über „Tracing the mantle evolution with novel isotopic systems“. David Green erhielt die IMA-Medaille und hielt einen Plenarvortrag über experimentelle Petrologie von Peridotiten. Viele der europäischen Gesellschaften verliehen ihre nationalen Preise im Rahmen der emc2012. Die EMU-Medaille für ausgezeichnete Forschung wurde an Sébastien Merkel verliehen, der ebenfalls einen Plenarvortrag hielt. Die britischen Kollegen überreichten ihren Schlumberger-Preis an Simon Redfern und die traditionelle Hallimond-Vorlesung wurde von Patrick O’Brien gehalten. Er ist nach Werner Schreyer (1987/88) der zweite Hallimond Lecturer aus Deutschland. Bernie Wood erhielt von der DMG die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille in Silber für hervorragende wissenschaftliche Leistungen, und Dennis Harries wurde mit dem Ramdohr-Preis der DMG für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers ausgezeichnet. Die SIMP prämierte mehrere Doktorarbeiten.

David Green (Mitte) freut sich mit Gerhard Brey (links) und dem scheidenden IMA-Präsidenten Ekkehart Tillmanns (rechts) über die IMA Medaille. Foto: Sabine Seitz

Der DMG-Vorsitzende Rainer Altherr überreicht Dennis Harries (Jena) den Ramdohr-Preis. Foto: Sabine Seitz

 

Die meisten beteiligten Gesellschaften führten ihre turnusgemäßen Jahresversammlungen in Frankfurt durch. Darüber hinaus trafen sich die Editoren des Mineralogical Magazines und des European Journal of Mineralogy. Ebenso führten die International Mineralogical Association (IMA) und die European Mineralogical Union (EMU) mehrere Vorstandssitzungen und Delegiertenversammlungen durch. All diese Zusammenkünfte heben die Vorteile, die eine einzige internationale Tagung anstelle mehrerer nationaler Treffen mit sich bringt, deutlich hervor und zeigen eine klare Perspektive für die Zukunft auf.

Schon in der Vergangenheit hatten sich einzelne der veranstaltenden Gesellschaften zusammengeschlossen, um gemeinsame Tagungen durchzuführen – beispielhaft seien hier die von MinSoc und DMG veranstaltete MAPT-Tagung (Micro-Analysis, Processes, Time) in Edinburgh in 2009 oder die mit einem kristallographischen Schwerpunkt durchgeführte gemeinsame Jahrestagung der ÖMG und der DMG in Salzburg 2011 genannt. Allgemein erscheint es, dass es viele (manchmal zu viele) hoch interessante Tagungen im Verlauf eines Jahres gibt – nun kommt mit der emc noch ein weiteres Treffen hinzu. Hier besteht allerdings die Chance, in den emc-Jahren auf die Durchführung eigener Jahrestagungen zu verzichten und so den Tagungskalender deutlich zu entfrachten.

Gerhard Brey und Heidi Höfer waren in Frankfurt für die Tagung verantwortlich. Ihrer perfekten Organisation und herzlichen Gastfreundschaft ist es zu verdanken, dass die emc2012 einen überragenden Erfolg hatte und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestens im Gedächtnis bleiben wird. Insbesondere die nicht-deutschen Gäste werden die lokale Küche sowie deutsches Bier und deutschen Wein in guter Erinnerung behalten. Wir haben uns alle sehr wohl gefühlt und bedanken uns bei Heidi, Gerhard und ihrem Team für ihre tolle Arbeit!

Heidi Höfer und Gerhard Brey, Foto: Salar Baygan

 

Der Erfolg der Tagung wirft natürlich die Frage auf, wann das nächste derartige Treffen auf europäischer Ebene stattfindet. Alle vier Jahre trifft sich die internationale mineralogische Fachgemeinde unter der Schirmherrschaft der IMA. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mineralogische Inhalte bei internationalen geologischen, geochemischen oder geophysikalischen Tagungen zu präsentieren, da die Grenzen zwischen diesen Fächern eher fließend sind. Nichtsdestotrotz bietet die emc ein einzigartiges Forum auf europäischer Ebene, neue Arbeiten einem internationalen mineralogischen Fachpublikum zu präsentieren.

Die zehn Gesellschaften, die die emc2012 ins Leben gerufen haben, haben bereits beschlossen, in vier Jahren, 2016, zur nächsten emc zusammen zu kommen. Dieses Treffen wird in Italien stattfinden; die “Società Italiana di Mineralogia e Petrologia” wird dazu einladen. Natürlich sind weitere europäische mineralogische Gesellschaften herzlich eingeladen, sich an der nächsten emc zu beteiligen.

 

Kevin Murphy, Peter Treloar (MinSoc)

Jose Miguel Nieto (SEM)

Klaus-D. Grevel (DMG)