Die DMG verleiht PD Dr. habil. Melanie Kaliwoda die Doris-Schachner-Medaille 2026 für ihre herausragenden Verdienste um die Sichtbarkeit der Mineralogie in der Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum. Als stellvertretende Leiterin der Mineralogischen Staatssammlung München und Privatdozentin an der LMU München verbindet sie wissenschaftliche Exzellenz, Sammlungsarbeit und Vermittlung in beispielhafter Weise.
Nach dem Diplomstudium der Mineralogie in Heidelberg 2000 konzentrierte sie sich in Promotion und Postdoc-Phase auf Prozesse im Erdmantel, und setzte diese Arbeiten an der Universität Tübingen sowie am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung mit modernen spektroskopischen Methoden, vor allem Raman-Spektroskopie, fort. Seit 2007 prägt sie die Mineralogische Staatssammlung München, wo sie die Verantwortung für eines der bedeutendsten Sammlungsinstitute Europas trägt und ein leistungsfähiges Raman-Labor aufgebaut hat, das heute zentraler Bestandteil der geomaterialwissenschaftlichen Forschung in München ist.
Ihre Forschungsthemen reichen von Mantel-Xenolithen und Ophiolithen über Meteorite und Impaktgesteine bis hin zu leichten Elementen sowie der Anwendung der Raman-Spektroskopie auf Minerale, Gläser und organische Materialien. Die stetige Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten und eine wachsende Zahl an Promotionen dokumentieren ihr Engagement in der Nachwuchsförderung. 2020 habilitierte sie sich an der LMU München mit Arbeiten zu Peridotiten aus Ophiolithen und Xenolithen als Archivprozesse des Erdmantels.
Ihre Publikationsliste umfasst Beiträge zur geochemischen Signatur von Intrusionen, zur Rolle leichter Elemente im Erdmantel, zur Charakterisierung von Meteoriten sowie Anwendung von Raman-Methoden in Archäometrie, Baustoffforschung und Umweltgeochemie. Damit belegt sie eindrucksvoll die Relevanz mineralogischer Expertise für zahlreiche Nachbardisziplinen.
Besondere Strahlkraft für die Idee der Doris-Schachner-Medaille entfaltet ihre museumsbezogene Vermittlungsarbeit. Als Oberkonservatorin und stellvertretende Direktorin des Museums Mineralogia München konzipiert und kuratiert sie Sonderausstellungen wie „MoonImpact“ oder „GeoArt“, in denen sich wissenschaftliche Inhalte mit ästhetischer Gestaltung, Narration und klarer Didaktik verbinden und ein breites Publikum anziehen.
Kennzeichnend ist zudem die Öffnung der Mineralogie in Richtung Kunst, Design und Raumfahrt. In Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern, etwa Prof. Stephen Bottomley, entstehen Ausstellungen, in denen Mineralogie und Gestaltung neue Zugänge zu geomaterialwissenschaftlichen Themen schaffen. Parallel dazu wirkt Melanie Kaliwoda in ESA-Projekten (CAVES & PANGAEA), unterstützt den Aufbau mineralogischer Datenbanken für die Astronautenausbildung und analysiert Gesteine von Asteroidenmissionen, womit sie die enge Verflechtung von Mineralogie, Planetengeologie, Exploration und Zukunftstechnologien illustriert.
Ihr Engagement in Fachgesellschaften unterstreicht die Breite ihres Wirkens. Sie ist in nationalen und internationalen Gremien aktiv, darunter der Beirat der DMG und des DVGeo, ebenso in der International Mineralogical Association (IMA) und der IMA Commission on Museums, deren Vorsitz sie innehat. Zudem gehört sie zu den Mitbegründerinnen der MUC-Labs und des Archaeo-Bio-Centers, vertritt Deutschland in der IMA und engagiert sich als Kassenwartin im Bundesverband Lernort-Labor für die Stärkung außerschulischer Lernorte.
Auf Karrieretagen, Wissenschaftsmessen und Großveranstaltungen wie der Munich Show oder den GeoErlebnistagen wirbt sie regelmäßig für die Mineralogie und macht das Fach in gesellschaftlichen Debatten sichtbar. Melanie Kaliwoda steht für eine seltene Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, institutioneller Verantwortung und außergewöhnlichem Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit, durch die die Mineralogie als Knotenpunkt zwischen Erdsystemforschung, Materialwissenschaft, Kulturerbe und Bildung profiliert wird.
Fabio Joseph ∙ München

